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Wens interessiert: Dieter Bohlen und Pferde. Auszug aus seinem neuen Buch. [Hits: 1029]

Ich liebe Pferde! Die haben so wunderschöne, große braune Augen und riechen geil. Bekanntlich alles Sachen, auf die ich abfahre. Vielleicht schlagen bei mir einfach nur die Bauern-Gene durch. Jedenfalls: Niemals würde ich Mäntel aus Pferdefell kaufen oder Wurst aus Pferdefleisch. Früher dachte ich sogar immer, das heißt Rossbratwürstchen, und hab die Dinger deswegen nie gegessen.

Schon als ich noch Little Dieter war und mit meinen Eltern in einem Tausend-Einwohner-Pief-Kaff bei Oldenburg wohnte, wollte ich immer ein Pony haben. Ging nicht, weil wir jeden Pfennig umdrehen mussten. Ein Vierteljahrhundert später hatte ich meine erste eigene Million auf dem Haufen und war obendrein noch stolzer Besitzer von drei Hektar saftig grünem Weideland. Mensch, Dieter!, sagte ich mir. Jetzt oder nie. Da kommen jetzt ein paar Hoppi-Hoppis drauf.

Schließlich wurde ich an der Autobahn-Abfahrt A 9 fündig. In der hintersten Box einer Reitschule stand mein Traumpferd. Ein Rücken wie ein „U“ und jede Menge kleiner gelber Stummel im Maul, die mal die Zähne gewesen sein mussten.
„Das ist Chrischa“, erklärte mir die Reitschullehrerin beflissen, „ein ganz ruhiger Vertreter. Etwa zwanzig Jahre alt, Wallach, ein super Reitpferd, vor allem für Nicht-Reiter.“
Bei tausend Mark wurden wir uns handelseinig. Das waren sogar noch fünfhundert Mark unterm Schlachtpreis. Das allein hätte mich eigentlich stutzig machen sollen. Aber bei mir kommt ja bekanntlich nur Freude auf, wenn ich was ganz besonders billig schießen kann.

Mit meinem neuen vierbeinigen Freund meldete ich mich im Golfclub bei uns um die Ecke an. Nicht weil das Pferd jetzt golfen lernen sollte. Sondern weil hier praktischerweise eine Reithalle mit Boxen angegliedert war. Hier konnten die gelangweilten Ehefrauen von irgendwelchen reichen Geschäftsleuten ihre Fünfzigtausend-Mark-Zossen reiten, während ihre Kerle einlochen gingen.

Leider waren diese Ladys entweder sehr dick oder sehr alt oder sehr hässlich, oft aber auch alles zusammen. So geriet selbst ich nicht in Gefahr, als Witwentröster in Versuchung zu geraten.
Umgekehrt fanden mich die Weiber wahrscheinlich genauso abartig wie ich sie. Ich hockte da immer auf meinem struppigen Chrischa wie der Affe auf dem Schleifstein. Rücken krumm, Beine hochgezogen, Hände in die Mähne gekrallt, so zuckelte ich der Kolonne aus blank gestriegelten Pferdeärschen hinterher.
Umgeben von einer Wolke aus Pferde-Pups und Chanel No. 5.

Ich muss sagen: Ich lernte viel fürs Leben. In der Reiterei spricht man zum Beispiel von „Schlauchgeräuschen“, wenn der Pferdepimmel beim Trab gegen die Bauchdecke klatscht. Und wenn das Pferd bläht, dann ist das „Reiterehre!“. Merke: Pimmel- und Pups-Geräusche sind nicht gleich Pimmel- und Pups-Geräusche. Beim Reiten okay. Beim Essen und Bücken doof.

Galoppieren mit Chrischa war immer so ein Ding. Nicht, dass ich nicht oben geblieben wäre. Nur Chrischa hatte die Angewohnheit, mit seinen vier Hufen durch den Tüdel zu kommen – wo war jetzt gerade welcher? – und sich dann volle Kanone auf die Schnauze zu legen. Meist flog ich bei diesen abrupten Stopps zwischen seinen Ohren hindurch nach vorne auf den Boden, siebenhundert ängstlich schnaubende Kilos dicht hinter mir.
Nach dem dritten Segelflug dieser Art rief ich den Tierarzt an. Der stellte fest, dass Chrischa nicht zwanzig Jahre alt war, sondern siebenundzwanzig und voll senil und eigentlich nicht mehr geritten werden durfte.
„Siebenundzwanzig Pferdejahre sind neunzig Menschenjahre!“, rechnete mir der Tierarzt vor.

Ich dackelte los und kaufte mir ein neues Pferd. Diesmal ließ ich es richtig krachen: zehntausend Mark für Sunny.
Damit Sunny nicht so einsam war, kaufte ich eine Woche später bei einem Bauern in Tötensen Jenny, eine Hannoveraner Rapp-Stute mit Stammbaum. So lieb und fromm und dösig – die hob noch nicht mal den Schweif, um Fliegen zu vertreiben.
„Guck mal, Naddel, was für ein Engelchen!“, schwärmte ich, als ich Jenny auf der Weide hinterm Haus freiließ und die daraufhin in den Schatten eines Baumes trottete und
sich fast an den Stamm lehnte.

Am nächsten Morgen war es, als ob jemand einen Groschen in einen unsichtbaren Automaten geworfen hätte: Jennys Hals stand im rechten Winkel hoch, die Ohren rotierten um hundertachtzig Grad. Und als ich den Versuch unternahm, anzureiten, veranstaltete sie gleich ein Rodeo mit mir: Kerzengerade Beine, katzenrunder Buckel – so jumpte sie vorwärts, als ob man einen Frosch eingekreuzt hätte. Erst später hörte ich, dass es eine nette Sitte unter Züchtern ist, den Viechern vorm Verkauf ein paar Benimm-Pillchen ins Fresserchen zu geben, damit sie artig sind und sich besser verkaufen lassen. Ein Pferdekenner hätte das natürlich sofort an den Augen des Tieres erkannt.
Aber wenn die Bauern einen Typen wie mich mit blondierten Haaren und angeschoppten Ärmeln sehen, der mit dem Ferrari aufs Gelände gefahren kommt, ist das wie Ostern und Weihnachten zusammen. Ready for Verarsching.

Doch wenn so ein Pferd dann erst mal bei mir auf der Weide steht, dann gewinne ich es auch ganz schnell lieb. Und was ich lieb habe, das geb ich nicht einfach so zurück wie einen Pulli mit einem Webfehler. Jenny blieb also.

Nun habe ich ja schon in „Bohlen I“ betont, dass Naddel ein echtes Reittalent war. Jetzt konnte sie das zum ersten Mal auch auf Pferden unter Beweis stellen. Und innerhalb eines Jahres waren die beiden so weit, dass sie gemeinsam mega erfolgreich an Spring-Turnieren teilnahmen.

Zu meinem Glück fehlten mir im Prinzip jetzt nur noch ein paar Milch-Kühe. Aber ich hatte Angst, dass Naddel mal unter einer von denen aufwachte und sagte: „Fein! Einer von euch vier Jungs bringt mich aber jetzt nach Hause.“

Norma


30.09.2003 - 09:41
Caitlin

:-)

Eins muss man ihm lassen, er weiss wie man mit Worten umgeht


30.09.2003 - 09:42
gipsy84

Ist ja ganz lustig, aber daß, was er über "Naddel" schreibt, ist unter aller Sau!

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