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Klebendes, gestresstes und schreckhaftes Pferd [Hits: 674]

Meine 9-jährige polnische KB-Stute ist seit einigen Monaten sehr verändert, eigentlich seit ein, zwei Ereignissen, die ihr offensichtlich nicht gut getan haben.

Bis April war sie relativ gelassen und „in sich ruhend“. Ich konnte ohne Probleme am langen Zügel mit ihr alleine ins Gelände. Sie war motiviert und dem Menschen zugetan. Sie steht mit zwei älteren Wallachen zusammen, sie klebten schon auch etwas aneinander, aber noch im „normalen“ Rahmen. Es wurde mal gewiehert, aber dabei blieb es. In der Gasse stand sie auch alleine ruhig, war aufmerksam und gelassen beim Spazieren gehen und bei der Platzarbeit.

Dann wurde ihr Fohlen im April abgesetzt und weggebracht, wenige Tage darauf wurde eine neue Herdenzusammenstellung unserer drei mit einem jungen Wallach und einer Stute versucht, die leider gescheitert ist. Meine Stute war dabei „zwischen die Fronten“ geraten, sie wollte bei „ihren“ Wallachen bleiben, der junge Wallach hat sie aber heftig abgetrieben und für sich beansprucht. Ein zweiter Versuch im Sommer nach mehreren Wochen Nebeneinanderstehen musste ebenfalls abgebrochen werden. Der junge Wallach jagt die Alten einfach zu heftig, einer davon ist nicht fit genug dafür und die Besitzer wollen verständlicherweise kein Risiko mehr eingehen.

Seit den gescheiterten Versuchen stehen beide Gruppen in ihrer jeweils alten Konstellation nebeneinander durch Zäune getrennt, ein weiterer junger Wallach steht jetzt bei den anderen beiden. Das soll auch so bleiben, ein Tausch von Pferden innerhalb der Gruppen ist aus diversen Gründen nicht möglich/gewünscht. Dafür klebt jetzt die andere Stute sehr an meiner, regt sich extrem auf wenn meine Stute nicht in der Nähe ist, wiehert und läuft am Zaun auf und ab. Sie stand beim Vorbesitzer lange allein mit einer weiteren Stute, ging bei uns anfangs durch den Zaun, das hat sich zum Glück gebessert. Aber sie macht extremen Terz wenn andere Pferde weggeholt werden.

Auch meine Stute ist seit Wochen dauergestresst wenn ich sie von der Herde trenne. Obwohl der Stall, der Anbindeplatz und der Reitplatz in Hör- und Sichtweite sind, kommt sie einfach nicht zur Ruhe. In der Stallgasse ist sie permanent rastlos/unruhig, auch wenn andere Pferde anwesend sind. Auf dem Platz (Bodenarbeit, Longieren, Freilaufen) ist sie abwechselnd zäh/unmotiviert oder angespannt und rastet aus. Früher wich sie mir dort nicht von der Seite und war interessiert an dem was wir tun, aktuell ignoriert sie mich ziemlich und es fällt mir schwer sie dazu zu bringen sich auf mich zu konzentrieren. Sie ist extrem schreckhaft, das war sie früher nicht. Alleine im Gelände habe ich das Gefühl auf einem Pulverfass zu sitzen das jeden Moment explodieren kann. Jede Kleinigkeit ist Anlass zum Scheuen, auch viele Dinge die sie früher überhaupt nicht interessiert haben. Beim Spazierengehen ist sie aufgedreht und wiehert nach den anderen. Es fällt mir sehr schwer sie für mich und das was wir tun zu begeistern. Sie lässt sich zwar relativ brav schicken und führen und generell händeln, aber sie ist einfach nicht bei der Sache. Mit anderen Pferden zusammen im Gelände ist sie immer noch schreckhaft, aber insgesamt deutlich entspannter.

Ich bin ehrlich gesagt überfordert, wie ich am besten in diesem Zustand mit ihr umgehen soll. Sie findet alles was ich mit ihr tue gerade extrem doof. Und ich bin mir nicht sicher wie ich angemessen reagieren soll, ohne irgendwie unfair zu werden. Ich verstehe ja, dass sie eigentlich lieber bei ihrer Herde ist und sie offenbar nur dort Sicherheit findet. Diese hatte sie früher auch bei mir, aber ich hab scheinbar ihr Vertrauen verloren.

Durch die Hitze arbeite ich nur wenig mit ihr, 3-4x Mal die Woche. Bodenarbeit mit Stangen, Ausritt im Schritt, Spazieren, Longieren und Equikinetic überwiegend im Schritt/Trab.

Sie stehen seit Ende April 24h auf der Weide, Fütterung ist „Heu am Stiel“ plus zuletzt einer Handvoll (ca. 150-200 gr) Hafer mit Stoffwechselkräutern 3-4x wöchentlich nach der Arbeit. Mineralfutter hatte ich in den letzten Tagen ganz ausgesetzt, die Tierärztin war gestern da zur Blutabnahme für ein großes Blutbild und Test auf Anaplasmose, daran war sie letztes Jahr erkrankt. Davor bekam sie ca. 200g Josera Leichter Mix mit Josera Mineralfutter, ohne nennenswerte Veränderung des aktuellen Verhaltens. Sie ist relativ leichtfuttrig, Rippen nicht sicht- aber tastbar.

Braucht es einfach noch etwas Zeit und weiterhin regelmäßiges „Wegholen“ dass sie sich wieder dran gewöhnt auch mal getrennt von der Herde zu sein und ihr trotzdem nichts Schlimmes passiert? Kann ihr Verhalten gesundheitliche/fütterungsbedingte Ursachen haben, auch weil sie so ganz anders ist als zuvor? Ich muss auch bedenken dass sie bis April trächtig/laktierend war mit entsprechender Fütterung, was ja auch nochmal das Verhalten beeinflusst hat…?

Kann man irgendwas unterstützend geben, dass sie innerlich zur Ruhe kommt? Ihren Magnesium-Spiegel habe ich bei dem Blutbild mit beauftragt. Benötigt sie ggf. sogar „mehr“ an Kraftfutter als das Händchen voll? Bei einem Pferd was ich kannte führte eine erhöhte Kraftfuttergabe (Hafer) tatsächlich zu mehr Gelassenheit. Auch wenn der Hafer gerne mal verteufelt wird, würde ich den eigentlich gerne füttern mit einem passenden MF. Dafür wollte ich den Bluttest abwarten.

Sollte sie vielleicht auch mehr „arbeiten“ und wenn ja, wie am sinnvollsten bei den Temperaturen? Ich bin im Moment etwas ratlos und dankbar für Input.

Steffichen


23.08.2018 - 12:31
Eule0879

Hm... bei meiner Stute hat das Absetzen der Fohlen (insgesamt hatte sie 4) ebenfalls zu extremer Kleberei geführt, da bin ich mir heute sicher. Da gehörte sie zwar noch nicht mir, aber was ich inzwischen weiß reicht, um da einen eindeutigen Zusammenhang herzustellen.

Das ist also der erste Knackpunkt, den ich bei euch sehe. Das Fohlen muss ja abgesetzt werden, keine Frage. Wie genau seid ihr da vorgegangen?

Dann gab es ganz kurze Zeit später die Veränderungen in der Herde, der nicht positiv für deine Stute verlaufen ist. Wieder enormer Stress. Ein zweiter Versuch im Sommer ist ebenfalls gescheitert, auch das war sicher stressig.

Ich denke einfach, die kleine heile Welt deiner Stute ist durch die Ereignisse momentan in ihren Grundfesten einfach erschüttert und sie hat momentan die Routine nicht, die sie braucht. Offenbar ein sehr sensibles und vielleicht auch eher rangniedriges Pferd, kann das sein?

Ich denke, sie hat Verlustängste entwickelt und die kannst du ihr schon nehmen, dazu wirst du aber viel Geduld benötigen.

Die Ruhe und Gelassenheit von früher kann sie dir aktuell nicht geben. Sie muss wieder lernen, dass es schön ist mit dir zusammen zu sein, auch wenn die Anderen nicht dabei sind und eure Beziehung muss sich wieder festigen.

Wie ich vorgehen würde? Hm.. schwierig zu erklären. Einfach gesagt: Hör ihr zu! Schau, was sie dir zu geben bereit ist und drösel das notfalls in ganz ganz winzige Schritte auf. Geh auf die Weide, führ sie zum Weidetor und kraule sie da, wo sie es am liebsten hat, loben wenn sie ruhig steht und dann nimm das Halfter ab und lass sie wieder zu den Anderen. Loben würde ich aber immer seeehr ruhig und intensiv, aber nicht überschwenglich mit zuviel Energie. Ich denke, eine ruhige entspannte Energie deinerseits ist das Wichtigste.
Schon bald, da bin ich sicher, wird sie auch nach dem Abnehmen des Halfters nicht wegstürmen, sondern noch etwas bei dir bleiben. Streichle sie, gib ihr einen Keks und tu etwas, was sie gern mag (Fellpflege = Komfortverhalten). Vielleicht nimmst du auch einen Striegel mit, mit dem sie gern gebürstet wird oder so...

Das kannst du weiter steigern, in dem du sie mal mit durch den Zaun mit raus nimmst, dort etwas Schönes mit ihr machst und sie zurück bringst (den einen Meter wieder zurück durch den Zaun).

Klar... das bedeutet jetzt erstmal, sie mehr oder weniger Pferd sein zu lassen. Aber ich denke, genau das braucht sie jetzt erstmal, um wieder runter zu kommen und sich wieder sicherer zu fühlen.


23.08.2018 - 12:36
Eule0879

Ach so.. nicht dass das falsch verstanden wird, ich hab da etwas Wichtiges nicht detailliert genug beschrieben. Wenn sie weit vor dem Weidetor schon unruhig wird, geh soweit wieder zurück, bis sie entspannt ist. Und da verbringst du dann einige schöne Momente mit ihr. Nur solange, wie sie es geniessen und entspannt annehmen kann.

Wenn du zum Tor gehst und einfach dein Ding machst und ihre Signale missachtest, ist das für sie Stress und büsst wieder Vertrauen ein. Sie ist ja am Halfter und am Strick, kann also ihrem natürlichen Herdentrieb und Fluchtinstinkt in dem Moment nicht folgen. Irgendwann steht sie vielleicht ruhig, aber dann wohl nur weil sie gelernt hat, dass es nichts bringt sich aufzuregen und sie resigniert. Nennt sich erlernte Hilflosigkeit, denn in so einem Moment ist sie hilflos ausgeliefert.

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